CBA - das Cardioid Bass Array

CBA - das Cardioid Bass Array

Beitragvon Tron » Do 16. Mai 2019, 16:42

Hi, das Thema Unipol / Bassniere polarisiert. Dennoch spiele ich gerade mit einer ähnlichen Aufstellung, die meines Wissens noch nicht dokumentiert wurde, und stelle sie hier mal zur Diskussion. Ich nenne den Aufbau Cardioid Bass Array (CBA).

Ein CBA weist Ähnlichkeiten zum aus dem Heimkinobereich bekannten DBA und zum CSA aus der Beschallungstechnik auf. Es werden aus Sicht des Hörers hinter den Hauptlautsprechern weitere Tieftöner als Antischallquellen bzw. aktive Absorber installiert, vorzugsweise direkt an der Stirnwand. Dadurch wird der nach hinten abgestrahlte Bass ausgelöscht, bevor er durch die Wand reflektiert werden kann. Es wird eine Bassniere geformt. Durch die Richtwirkung verteilt sich der Bass gleichmäßiger im Raum und die Modenanregung fällt geringer aus, kein Bassloch in Raummitte mehr und weniger Dröhnen, der Bass wird knackiger.


Aufbau und Einstellung:
  • die Absorber müssen verpolt und um die Laufzeit verzögert werden (ggf. Latenz des eingesetzten DSP berücksichtigen)
  • die Absorber sollten etwa auf Höhe der normalen Tieftöner hinter den Boxen stehen, und zwar aus Sicht der (gedacht) parallel ausgerichteten Boxen
  • die Absorber sollten ca. 6 dB leiser spielen als die Hauptlautsprecher
    folglich werden idealerweise zwei vorhandene Tieftöner um einen dritten ergänzt, so dass keine Pegelanpassung mehr nötig ist
  • Absorber sollten bis max. 200 ... 300 Hz spielen
    dabei sollten sie ähnlich steil getrennt werden wie die normalen Tieftöner und in einem vergleichbaren Gehäuse (Volumen, Schallführung / Bassprinzip) verbaut sein
  • in Verbindung mit einem AVR sollte erst das CBA optimiert und dann eingemessen werden


Vorteile:
  • es können auch vorhandene Lautsprecher nachgerüstet werden
  • kein explizites Subwoofersystem nötig; zus. Tieftöner, Pre-Outs, DSP und eine weitere Endstufe reichen
  • die obere Grenzfrequenz ist höher als beim DBA
  • funktioniert auch dort, wo kein DBA realisiert werden kann
  • einfache Ausrichtung ("Zielen") durch vertikales und horizontales Verschieben der Absorber
  • die Ausrichtung kann im Gegensatz zum Unipol unabhängig von der Drehrichtung der Hauptlautsprecher erfolgen; keine Überlagerung der Schwerpunkte bei eingewinkelten Lautsprechern


Nachteile:
  • im Vergleich zum DBA weniger gleichmäßig
  • komplizierte Einrichtung
  • bei Verschieben der Hauptlautsprecher Anpassung der Konfiguration notwendig


Ich bin noch in der Experimentierphase, aber es hat auf jeden Fall Potenzial. Vielleicht probiert es auch mal jemand aus und teilt seine Erfahrungen hier mit.
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Re: CBA - das Cardioid Bass Array

Beitragvon Tron » Do 16. Mai 2019, 17:47

20190516_174548.jpg
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Re: CBA - das Cardioid Bass Array

Beitragvon Tron » Fr 17. Mai 2019, 08:33

Das Problem der Viertelwellenauslöschung:

Je nach Abstand der Lautsprecher zur Wand kommt es zu Auslöschungen bei bestimmten Frequenzen durch gegenphasige Überlagerung der Schallwellen (destruktive Interferenzen). Dies nennt man auch den Allison-Effekt:


20190517_082411.jpg

Quelle: https://www.genelec.com/sites/default/f ... e_2017.pdf

Zwar ist das Gehör geübt darin, derartige schmalbandige Dips zu "überhören", aber es schadet auch nicht, solche Auslöschungen zu vermeiden. Mit den Aktivabsorbern erreicht man dies zumindest ab der Stirnwand.
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Re: CBA - das Cardioid Bass Array

Beitragvon Tron » Do 13. Jun 2019, 13:55

Laut Sendungsverfolgung sind die bestellten Omnes Audio Exclusive 8 im Zulauf. Dann kann aus dem Provisorium ein fester Aufbau werden. Mal sehen, wann ich dazu komme. Die Wochen sind wieder kurz, die Wochenenden voll ...
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Re: CBA - das Cardioid Bass Array

Beitragvon Tron » So 21. Jul 2019, 17:59

Es geht nichts über ein Provisorium ...

Ein Gedanke noch: Wenn man bis 300 oder 400 Hz bündeln möchte, was grundsätzlich empfehlenswert ist, sollte man den Bafflestep der Hauptlautsprecher berücksichtigen. Ab da bündelt die Schallwand und es gelangt weniger Schall nach hinten. Der Übergang ist fließend und entspricht einem Anstieg um 6 dB im Achsfrequenzgang, wenn der Hersteller / Entwickler nichts dagegen unternimmt (so wie bei Wandeinbaulautsprechern).

Wenn man das bei der aktiven Ansteuerung berücksichtigt, kann man auch den Kardioideffekt nach oben verschieben.

Inzwischen habe ich sogar eine Möglichkeit gefunden, es rein passiv umzusetzen. Da die Impedanz gen 2 Ohm tendiert, braucht man aber dennoch zwei Verstärker. Auf die Idee gebracht hat mit der User "Spatz", der passive Unipole entwickelt. Seine Variante funktioniert optimal mit zwei Treibern im gleichen Gehäuse, ich möchte aber drei einsetzen bzw. auf jeden Fall zwei vorne.

Bündelung.jpg


Wenn alles an einem Verstärker hängt, kann man die Schaltung auch vereinfachen und das dritte Chassis mit einer Spule und dem Hochlastwiderstand an die vorhandene Weiche anhängen.

Die vorderen Bässe spielen in je 25 Liter BR, das hintere in 40 Liter CB und erhält einen Zusatzmagneten, um die Güte um ca. 10 % anzuheben.
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